Monetäre Ökologie (Rezension)

Dass Natur auf eine Ressource reduziert wurde und wird, ist eine Tatsache. Die dadurch verursachte Gemengelage der Probleme ist mittlerweile gigantisch. Aber es bleibt immer noch ein Zeitfenster dafür, die Entwicklungsrichtung zum Guten zu wenden.

 

Als Bericht des Club of Rome ist bereits im Jahr 2012 ein Buch erschienen, das sich besonders der Frage annimmt, wie der Weg „von einem überholten Finanzsystem zu einem monetären Ökosystem“ aussehen kann. Die Autoren Bernard Lietaer et al. stellen eine beachtliche Faktenfülle zusammen, um den Ist-Zustand des Geldsystems zu verdeutlichen und jene Ansätze in Theorie und Praxis hervortreten zu lassen, die einer „monetären Ökologie“ dienlich sind. Dabei ist der Blick auf die Folgen der Mainstreamökonomie bedrückend. Zentral werden die Problembereiche „Klimawandel“ und „Bevölkerungswachstum“ benannt. Feinauflösungen geben Einblicke bezüglich der Entwicklung von Biodiversität, Wasser, Bodenerosion und Klima, aber auch der Menschengemeinschaft im Blick auf den Spannungsbogen zwischen sozialer Sicherheit und z.B. Staatsverschuldungen.

 

Unter der Voraussetzung der Paradigmen der Mainstreamökonomie widersprechen Effizienz und Resilienz einander. Je rentierlicher ein Vorhaben betrieben wird, desto weniger resilient ist es. Das gilt auch für das Geldsystem. Wie verhält sich demgegenüber die Natur? Sie selektiert nicht um der maximalen Effizienz willen, sondern um das optimale Gleichgewicht entstehen zu lassen. In diesem „Zeitfenster der Lebensfähigkeit“ kommt es zum Optimum zwischen Effizienz und Resilienz, was im Sinne der Autoren einem nachhaltigen Verhalten entspricht.

 

Wirtschaft im vorherrschenden Sinne beruht auf Paradigmen, die keine Naturgesetze, sondern von Menschen selbst geschaffene Regeln sind. Sie sind darum auch veränderbar. Statt der durch Kreditvergabe durch private Banken erzeugten Standardwährungen könnten komplementäre Währungen die Ökonomie von der Monokultur zur Vielfalt (zurück) führen.

 

Die Autoren decken die systemimmanenten Fehler des vorherrschenden Finanz- und Geldsystems auf, gehen aber keineswegs aufs Ganze, weil sie nicht etwa fordern, vorherrschende Strukturen direkt zu bekämpfen und zu eliminieren. Die Autorengemeinschaft ist nachvollziehbar davon überzeugt, dass die Lösung für die menschheitlichen Probleme von vielen kleinen Initiativen und Projekten ausgeht, die lokal, regional, national und vielleicht bald international monetäre Ökologie betreiben, indem sie auch ihr eigenes Geld verwenden. Machbar ist das, der Beweis wurde (und wird) durch zahlreiche Komplementärwährungen weltweit erbracht. Notwendig ist es auch – daran lässt das Buch „Geld und Nachhaltigkeit“ keinen Zweifel.